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Trotz Halbleiter-Engpass
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Bürklin Elektronik bezieht Stellung zum Halbleiter-Engpass

„Halbleiter-Umsatz im ersten Quartal vervierfacht“

Zitat von Jürgen Lampert - CEO von Bürklin Elektronik

Viele Halbleiter sind dieser Tage Mangelware. Wer kurzfristige Halbleiter-Bedarfe decken will, braucht eine gute Spürnase. Ein Blick in den Webshop von Bürklin Elektronik lohnt sich: Dort sind auch Highrunner namhafter Hersteller sofort verfügbar. Ein Gespräch mit CEO Jürgen Lampert (Bürklin Elektronik) und Karin Zühlke (Markt & Technik).

Zyklische Engpässe sind in der Elektronik-Industrie nicht neu. Der aktuelle Halbleiter-Engpass mit all seinen Facetten markiert allerdings eine ganz neue Dimension. Was sind die Ursachen?

Jürgen Lampert: Durch die fortschreitende Digitalisierung in allen Bereichen des Lebens in einer globalen Welt steigt die Nachfrage nach Halbleitern ständig an. Megatrends wie KI und eMobility verstärken diese Nachfrage zusätzlich. Hinzu kommen Engpässe und Lieferschwierigkeiten bei Rohstoffen wie etwa Kupfer, Zink, Aluminium, Silizium, Substrate und Wafern. Auch geopolitische Herausforderungen wie zwischen China und den USA aufgrund der Importzölle oder der Krieg in der Ukraine führen zu steigenden Preisen und destabilisieren den Markt.

Und nicht zu vergessen: Covid trägt heute noch erheblich dazu bei, dass die Lage am Markt sich nicht entspannen wird, beispielsweise der kürzliche Lockdown in Shenzhen in der Provinz Guandong, High-Tech-Standort von China. Dort befinden sich viele Entwicklungsabteilungen von Tech-Konzernen, aber auch Fertigung von Bauteilen. Hunderte Containerschiffe standen im April vor den geschlossenen chinesischen Häfen und warteten auf ihren Liegeplatz. Es wird immer schwieriger, Fracht nach China hinein oder von China heraus zu transportieren.

Jürgen Lampert

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Des Weiteren sehen wir 2021 eine um mehr als 20 Prozent gestiegene Nachfrage an Halbleitern. Die Prognosen gehen von einem sich in den nächsten zehn Jahren nahezu verdoppelnden Markt aus. Das bedeutet: Die Nachfrage ist und wird auch in Zukunft sehr viel größer sein als der Markt, daraus resultiert die derzeitige Halbleiterkrise.

Welche Produktbereiche sind im Halbleiter-Segment besonders betroffen?

Jürgen Lampert: Im Grunde genommen der gesamte Bereich der Halbleiter, wie diskrete Bauelemente, Mikrocontroller, programmierbare Logik, Speicher ICs, Optoelektronik, um nur einige zu nennen.

Welche Industriezweige leiden am meisten unter der Knappheit und warum?

Jürgen Lampert: Generell betrifft die Knappheit die gesamte Wirtschaft, da Halbleiter praktisch überall eingebaut sind. Besonders Zulieferer im Bereich Industrie und Automotive, bei denen insbesondere 8-Zoll-Wafer verwendet werden, leiden stark. Hier mussten bereits viele Unternehmen Insolvenz bzw. Kurzarbeit anmelden. Die Hersteller von Halbleitern haben zudem ihre Produktion auf andere Bereiche und Abnehmer umgeshiftet, insbesondere 5G-Applikationen, Unterhaltungselektronik und Smartphones. Das bedeutet wiederum, dass die Halbleiterhersteller die Ressourcen und Prioritäten in der Halbleiterproduktion auf diverse Segmente aufteilen und dadurch wiederum Engpässe bei einem wachsenden Markt entstehen. Weil die Halbleiterproduktion kompliziert ist und mehrere Wochen dauern kann, ist eine Steigerung der Produktion nicht ohne Weiteres möglich.

Was bedeutet das für die Produktionsketten der Kunden?

Jürgen Lampert: Aktuell werden auch viele Produktionsstätten verlagert. Das bedeutet veränderte Produktionsketten, mögliche Produktionsstopps bis hin zu Produkten, die redesignt werden müssen. Dies ist nötig, weil Kunden, sowohl EMS wie ODMs, auf bestellte Ware warten.

Stand heute kann man nicht sagen, wann sich die Lage wieder entspannen wird. Prognosen gehen davon aus, dass sich die Situation gar noch weiter zuspitzt. Momentan gibt es keine Anzeichen für eine Stabilisierung der Verfügbarkeiten und der Preise. Manche sagen eine Verbesserung frühestens 2023 voraus, je nach Produktbereich aber sogar erst für 2024.

Aus unserer Sicht ist eine wichtige Strategie für die Zukunft die Aufstockung der Produktion in Europa. So kann man langfristig die Abhängigkeiten von der asiatischen Produktion reduzieren. Europa produziert bis dato weniger als 10 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Hierzu gibt es bereits erste Schritte: Intel baut für 17 Milliarden Euro zwei Chipfabriken in Magdeburg. Infineon hat 2021 eine neue High-Tech-Chipfabrik im österreichischen Villach für 1,6 Milliarden Euro eröffnet.

Welche wirtschaftlichen Konsequenzen drohen dem Markt aus Ihrer Sicht?

Jürgen Lampert: Die Gefahr von wirtschaftlichen Schäden ist groß. Oft bedingt eine steigende Nachfrage eine Verknappung am Markt und dadurch starke Preiserhöhungen. Auch das permanente Risiko von Produktionsstopps erhöht die Gefahr von Kurzarbeit. Hinzu kommen finanzielle Belastungen von produzierenden Firmen durch die langfristige Vorfinanzierung von Ware, Schadenersatzansprüche bzw. Konventionalstrafen bei Lieferverzögerungen. All das birgt eine erhöhte Insolvenzgefahr.

Was bedeutet die Situation für die Distribution?

Jürgen Lampert: Wir sehen massive Lieferschwierigkeiten bei Distributoren, die ihre Läger nicht rechtzeitig gefüllt haben. Es ist momentan nicht voraussehbar, wann vergriffene Produkte wieder verfügbar sein werden. Dadurch ist eine Dispo schwer zu planen, und es ergeben sich extreme Preisschwankungen. Manche Distributoren zeigen derzeit weder Preise noch Lieferzeiten an.

Nur wer sein Lager gut bevorratet hat und rechtzeitig die richtigen Produkte eingekauft hat, kann auch die aktuellen Bedarfe abdecken. Wir bei Bürklin Elektronik haben mehrere hundert Halbleiter von verschiedenen Herstellern in hohen Stückzahlen auf Lager.

Da hat Bürklin Elektronik sehr vorausschauend agiert. Offen gefragt: War das einfach situativ Glück oder Strategie?

Jürgen Lampert: Wir haben früh erkannt, dass eigene Verfügbarkeiten einen positiven Einfluss auf unsere Geschäftsentwicklung haben. Unsere Strategie ist eine vorausschauende Bevorratung und Einkaufsaktivitäten auf Basis von Jahresmengen mit einem guten Lieferantennetzwerk, das hier eine zentrale Rolle spielt. Wir schließen frühzeitig Abrufaufträge in vielen Produktbereichen, z. B. programmierbare Logik, Mikrocontroller, Speicher-ICs, Operationsverstärker, Spannungsüberwachung sowie Schnittstellen-ICs ab, um Produktionsausfälle zu minimieren.

Hohe Lagerbestände bergen bekanntlich auch Risiken…

Jürgen Lampert: Das ist richtig. Aber das Risiko »Preisverfall bei Rezession«, das zu hohen Lagerwerten und zu Kunden-Stornos führen kann, gehen wir dabei bewusst ein.

Bürklin Elektronik galt am Markt lange Zeit eher als Kleinmengen-Lieferant. Wenn wir konkret von Halbleitern sprechen: Welche Liefermengen kann der Kunde bei Bürklin Elektronik beziehen?

Jürgen Lampert: Die Kunden nehmen uns schon heute zunehmend als Distributor, der auch mittlere Mengen für Produktionsserien liefert, wahr. Der durchschnittliche Bestellwert ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt dieses Jahr sicherlich auch aufgrund der besonderen Marktsituation sogar 30 bis 40 Prozent über dem Vorjahr.

Wie weit erstreckt sich der Lieferradius von Bürklin Elektronik?

Jürgen Lampert: Unser Auslandsanteil liegt bei etwa 20 Prozent. Wir exportieren weltweit, auch für unsere deutschen Kunden an Produktionstandorten in Asien, natürlich außer in Embargo-Länder.

Bürklin Elektronik war nicht unbedingt als ausgewiesener Halbleiter-Spezialist am Markt positioniert. Wie sieht Ihre Strategie in puncto Halbleiter-Linecard auf längere Sicht aus?

Jürgen Lampert: Die Kunden nehmen uns mehr und mehr auch in diesem Segment als zuverlässigen und kompetenten Lieferanten wahr. Wir haben im ersten Quartal dieses Jahres unseren Halbleiter-Umsatz in Deutschland vervierfacht. Uns erreichen Halbleiter-Anfragen sogar aus China.

Wir streben eine noch intensivere Zusammenarbeit mit namhaften Hersteller wie Microchip, Intel, Texas Instruments, Lattice Semiconductor, Infineon Technologies, Analog Devices, Xilinx, Cypress, Silcon Labatories, Maxim Integrated etc. an, sodass eine langfristige Bezugsquelle für Bürklin Elektronik gewährleistet wird. Wir orientieren uns dabei natürlich an den Kundenbedarfen und Trend-Applikationen, um unser Produktportfolio ideal zu gestalten. Dadurch stellen wir für unsere Kunden eine hohe Verfügbarkeit an einem breiten Halbleitersortiment langfristig bereit. Die Verfügbarkeiten hängen aber nach wie vor von der Marktsituation ab.

Was wir nicht wollen, ist massiv Produkte zu führen, die für den Kunden nicht relevant sind. Dabei steht für uns auch der Anspruch im Vordergrund, dass wir unsere Value Proposition einhalten, sprich: unser Lieferversprechen: Bis 18:00 Uhr bestellt und in Deutschland am nächsten Tag ausgeliefert. Wir denken, es ist niemandem gedient, wenn wir zwar massiv Produkte zuführen, gleichzeitig aber unser Lieferversprechen total verwässern.

Ich bin überzeugt davon, es gibt auch in einer Situation wie jetzt die Möglichkeit, unsere Marke noch weiter zu stärken. Wir sind überzeugt davon, dass sich der Markt extrem positiv entwickelt, in den nächsten zehn Jahren verdoppeln wird. Und auf Halbleiter entfallen schließlich 65 bis 70 Prozent des Elektronik-Umsatzes.

Auch visuell tragen wir dem Rechnung: Unser Logo hat den Schriftzug »Die ganze Elektronik«; auch das ist ein Commitment für eine langfristige Halbleiter-Strategie.

Inwieweit ziehen Sie auch personell noch Ressourcen für Halbleiter nach?

Jürgen Lampert: Wir sind dabei, einen CPO (Chief Product Officer) aus der Industrie zu rekrutieren, der uns dabei unterstützt, die Lieferantenbeziehungen weiterzuentwickeln und auch das Halbleiter-Portfolio strategisch neu auszurichten.

Was raten Sie den Kunden für 2022, um ihre Lieferketten so gut wie möglich am Laufen zu halten?

Jürgen Lampert: Kunden mit langfristig vertraglichen Zusagen, reibungslosem Logistiksystem und sauberen Forecasts fahren am besten, denn für sie konnten wir bereits frühzeitig aktiv werden. Lageraufbau ist kaum möglich, weil alles weggekauft wird. Damit wir Liefersicherheit gewährleisten können, bitten wir unsere Kunden um eine enge Zusammenarbeit mit uns sowie eine frühzeitige und langfristige Planung ihrer Bedarfe, wie sie beispielsweise in Rahmenverträgen festgehalten sind.

Abschließend: Wie lautet Ihre Botschaft für das laufende Jahr?

Jürgen Lampert: Eine verlässliche Supply Chain ist der Schlüssel. Die Euphorie, überall auf der Welt Bauteile einzukaufen, hat angesichts der aktuellen Lage abgenommen. Ich bin überzeugt davon, dass wir eine sehr gute Ausgangsposition haben: Nicht zuletzt unser Lager im Landkreis München, im Herzen der Elektronik-Industrie von Deutschland, sehe ich als Vorteil und große Chance für die Zukunft.

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